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Denkmalschutz und Denkmalpflege

Bei sehr vielen Umnutzungsprojekten sind die kommunalen Denkmalbehörden und die beiden nordrhein-westfälischen Denkmalämter in Rheinland und Westfalen wichtige Gesprächspartner, da bereits ca. 50 Prozent des Kirchenbestands in Nordrhein-Westfalen unter Denkmalschutz steht. Mit der aktuellen Situation der Kirchen im Land befassen sich das Bauministerium als Oberste Denkmalbehörde allgemein, die beiden Fachämter LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland und LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen mit Beratungen, Erfassungen der Bestände, Bewertungen und Gutachten sowie die Unteren Denkmalbehörden der Kommunen vor Ort mit Eintragungen in die Denkmallisten und Begleitung im Rahmen der praktischen Denkmalpflege. Diese in allen Kommunen Nordrhein-Westfalens angesiedelten Unteren Denkmalbehörden sind die ersten Ansprechpartner, die vor Ort in allen Fragen zu Denkmalwert, Denkmalschutz oder Denkmalpflege kontaktiert werden sollten.

Ansprechpartner und -partnerinnen in ihrer Stadt finden Sie über die Rubrik Kontakte, indem Sie im Filter Denkmalpflege auswählen oder über die Internetseiten des LVR und des LWL.

Der Denkmalwert nahezu aller Kirchen aus den Vorkriegszeiten ist in Nordrhein-Westfalen inzwischen bewertet und entschieden worden. Auch der Bestand der ca. 2.600 nordrhein-westfälischen Nachkriegskirchen wurde seit 2009 durch die Denkmalfachämter erfasst und bewertet. Der Auswahlprozess, welche dieser erfassten Kirchen nun auch als Denkmal in die kommunalen Listen eingetragen werden sollen, ist allerdings noch nicht abgeschlossen und zwischen den Beteiligten aus den (Erz-)Bistümern und Landeskirchen sowie den Landesdenkmalämtern und Unteren Denkmalbehörden zum Teil sehr umstritten.

Wichtig sind für die Kirchengemeinden und kirchlichen Bauverwaltungen in den anstehenden Neuorientierungsprozessen verlässliche Angaben zum Denkmalwert der Bauten der Nachkriegszeit und damit Planungssicherheit für die Gebäudeerhaltung und -nutzung. Bis zu einem Abschluss des Inventarisierungsprojektes erfolgen so denkmalrechtliche Entscheidungen über die Unterschutzstellung von Nachkriegskirchen häufig noch in Einzelfällen. Derartige Unterschutzstellungen, auch in laufenden Verfahren der Umplanung, verursachen sehr häufig hinderliche Konflikte, die hohe Anforderungen an die Kommunikationsfähigkeit aller Beteiligten stellen. So ist insbesondere in diesem Zusammenhang auch weiterhin mit denkmalrechtlichen Unsicherheiten und Auseinandersetzungen zu rechnen.

Auf der Seite der Kirchengemeinden als den Denkmalbesitzern besteht oft eher Verständnis für die Schutzwürdigkeit alter Kirchen als für den Erhalt jüngerer Nachkriegskirchen. Dennoch sind viele Bauten dieser – den Nutzern vielleicht noch zu nahen – Bauepoche schützens- und erhaltenswert. Dies gilt auch für viele qualitätvolle Bauten, die nicht unter Schutz gestellt wurden oder werden. Eine Beschäftigung mit den Gebäuden und ihren baulichen Konzepten mithilfe von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Bauhistorikerinnen und Bauhistorikern kann zu einem größeren Verständnis und zu größerer Wertschätzung führen. Die Kommunen mit ihren Denkmalbehörden und die Kirchengemeinden als Eigentümer der Bauten können hierzu an vielen Orten noch gemeinsame interessante Entdeckungen machen.

Nach intensiver Auseinandersetzung mit dem aus der Nutzung gefallenen industriebaukulturellen Erbe in Nordrhein-Westfalen sind inzwischen viele wünschenswerte kulturelle oder soziale Umnutzungsmöglichkeiten insbesondere im Ruhrgebiet in Industriebauten realisiert worden. Wünschenswerte öffentliche Nutzungen für die großen Räume der Kirchenbauten lassen sich jedoch momentan kaum öffentlich finanzieren. Angesichts einer Vielzahl aufzugebender Kirchen muss mancherorts für erhaltenswerte oder denkmalgeschützte Kirchenbauten unter Umständen auch ein robusterer Umgang mit der Bausubstanz gefunden werden. Dies stellt harte Anforderungen an die Aushandlungsprozesse zwischen Denkmalpflege und Projektplanenden vor Ort.

Da Umnutzungen immer einen Teilverlust von Denkmalsubstanz bedeuten, ist die Definition der explizit schützenswerten Aspekte eines Gebäudes entscheidend für die weiteren Nutzungsmöglichkeiten. Ein entsprechend definierter schützenswerter Aspekt kann im Einzelfall auch nur im vorrangigen Erhalt der städtebaulichen Situation bestehen. Kirchengebäude, die aufgrund von denkmalpflegerischen Forderungen nicht umgenutzt werden können, sind auf längere Sicht nicht zu erhalten, womit einem etwaigen unerwünschten Teilverlust dann der vollständige Verlust gegenübersteht. Diese schwierige Situation erfordert deshalb inzwischen an manchen Orten auch einen pragmatischen denkmalpflegerischen Umgang. Hierbei muss in jedem Einzelfall die Ermöglichung von Erhalt gegen eine Verhinderung von Veränderung bis zum möglichen Totalverlust von Gebäuden durch fehlende Nutzungen abgewogen werden. Grundlage muss allerdings sein, dass bei den Denkmaleigentümern ein ernsthaftes Interesse am Erhalt und entsprechende Bemühungen festgestellt werden können. Sorgfältig erarbeitete Machbarkeitsstudien sind eine gute Basis für einen gemeinsamen Abwägungsprozess. Bei notwendigen Veränderungen und insbesondere bei nicht reversiblen Eingriffen in die Gebäudesubstanz denkmalgeschützter Bauten ist zudem eine hohe gestalterische Qualität der Veränderung entscheidend für überzeugende Ergebnisse mit der Kombination neuer und alter Gebäudeteile.

JB