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02.06.2025
Expo 2025 Osaka: Ein Labor der Zukunft – und ein Spiegel für die Baukultur

Ein Besuch der Expo 2025 in Osaka fühlt sich weniger wie eine klassische Weltausstellung an, sondern eher wie ein begehbares Zukunftslabor. Unter dem Motto „Designing Future Society for Our Lives“ versammeln sich hier über 150 Nationen, um Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit zu formulieren – allen voran: Wie bauen wir nachhaltig? Doch die eigentliche Erkenntnis liegt nicht in einzelnen Innovationen, sondern in der räumlichen Haltung der gesamten Ausstellung.

Expo 2025 Osaka: Ein Labor der Zukunft – und ein Spiegel für die Baukultur EXPO Osaka 2025, Foto: Felix Hemmers

Der große Ring: Architektur als Haltung

m Zentrum steht der „Grand Ring“, entworfen von Sou Fujimoto.
Diese gigantische Holzkonstruktion – die größte ihrer Art weltweit – umschließt das gesamte Expo-Gelände wie ein begehbarer Horizont.

Mit rund zwei Kilometern Umfang und einem Durchmesser von etwa 700 Metern ist der Ring mehr als nur Infrastruktur:
Er ist Symbol.

  • Er steht für „Unity in Diversity“ – Vielfalt in Einheit
  • Er verbindet alle Pavillons physisch und gedanklich
  • Er ist gleichzeitig Weg, Dach, Aussichtspunkt und öffentlicher Raum

Entscheidend ist aber das Material: Holz.
Nicht als nostalgische Geste, sondern als radikale Aussage für eine zirkuläre Bauweise.

Der Ring zeigt: Nachhaltigkeit ist nicht nur Technik, sondern Konstruktion, Atmosphäre und Maßstab.

Nachhaltigkeit: Weniger Innovation, mehr Transformation

Viele Pavillons – darunter auch der deutsche – thematisieren Kreislaufwirtschaft und zirkuläres Bauen. Architektur wird hier als Teil eines Systems verstanden, das Ressourcen spart und Emissionen reduziert.

Doch die eigentliche Pointe liegt zwischen den Zeilen:
Die Expo selbst ist temporär.

Der Grand Ring war ursprünglich zum Rückbau gedacht, Teile sollen wiederverwendet werden.

Das wirft eine unbequeme Frage auf:
Wie nachhaltig ist ein Gebäude, das nur für wenige Monate existiert?

Die Antwort, die sich in Osaka andeutet:
Nachhaltigkeit entsteht nicht primär durch Neubau – sondern durch den intelligenten Umgang mit dem, was bereits da ist.

Der Vatikan: Spiritualität als Gegenentwurf

Überraschend still und zugleich eindrücklich ist der Beitrag des Heiliger Stuhl.
Unter dem Titel „Die Schönheit bringt Hoffnung“ setzt er keinen technologischen, sondern einen kulturellen Akzent.

Der Pavillon ist kein Spektakel, sondern ein Raum der Reflexion.
Er stellt eine andere Frage:

Was ist der Wert von Raum – jenseits von Effizienz und Innovation?

Gerade im Kontext der Nachhaltigkeitsdebatte wirkt dieser Beitrag fast subversiv:
Er erinnert daran, dass Baukultur nicht nur Ressourcen verwaltet, sondern Bedeutung schafft.

Was Deutschland daraus lernen kann

Für die deutsche Baukultur – und insbesondere für die Debatte um die Transformation von Kirchen – liegt hier eine zentrale Erkenntnis:

1. Der Bestand ist die eigentliche Ressource

Die Expo zeigt eindrucksvoll neue Materialien und Konstruktionen.
Doch gleichzeitig macht sie unfreiwillig sichtbar, wie viel Energie im Neubau steckt.

Die sogenannte „graue Energie“ – also die bereits im Bestand gebundene Energie – wird zum Schlüsselbegriff.
Das Nachhaltigste Gebäude ist nicht das neueste, sondern das weitergenutzte.

2. Umbau ist kreativer als Neubau

Der Grand Ring ist beeindruckend – aber er ist auch ein Sonderfall.
Die eigentliche Zukunft liegt in der Transformation bestehender Strukturen:

  • Kirchen
  • Industriehallen
  • Nachkriegsbauten

Hier entsteht Baukultur als Weiterbauen, nicht als Ersetzen.

3. Räume brauchen Bedeutung, nicht nur Funktion

Der Vatikan-Pavillon zeigt, dass Räume wirken, wenn sie mehr sind als Nutzungshüllen.

Gerade bei Kirchen stellt sich nicht nur die Frage „Was kann hier passieren?“,
sondern: „Was soll hier fühlbar bleiben?“

Kirchen als „Grand Rings“ unserer Städte?

Vielleicht ist das stärkste Bild der Expo übertragbar:
der Ring als verbindendes Element.

Kirchen könnten – neu gedacht – genau das sein:

  • Orte der Verbindung im urbanen Gefüge
  • hybride Räume zwischen Kultur, Gemeinschaft und Spiritualität
  • gebaute Kontinuität in einer fragmentierten Stadt

Nicht als museale Relikte, sondern als transformierte Räume mit neuer Nutzung und alter Tiefe.

Fazit

Die Expo 2025 in Osaka ist kein fertiges Zukunftsmodell.
Aber sie liefert eine entscheidende Verschiebung:

Weg von der Frage „Wie bauen wir neu?“
Hin zu der Frage „Wie gehen wir mit dem Vorhandenen um?“

Der große Ring zeigt, was möglich ist.
Der Vatikan zeigt, warum es wichtig ist.

Und die deutsche Baukultur steht vor der Aufgabe, beides zusammenzubringen –
technische Innovation und kulturelle Transformation.

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