Über das Projekt

 

 

Baukultur Nordrhein-Westfalen und Partner* haben sich mit dem Projekt „Zukunft – Kirchen – Räume. Kirchengebäude erhalten, anpassen und umnutzen“ zur Aufgabe gemacht, die Sakralbauten Nordrhein-Westfalens vor Leerstand und Verfall zu bewahren, ein Netzwerk zur fachlichen Unterstützung aufzubauen und eine praxisbezogene Unterstützung anzubieten. Das dafür entwickelte Konzept basiert auf drei Projektbausteinen: Die Webseite www.zukunft-kirchen-raeume.de und das Unterstützungsprogramm „Zukunftskonzept Kirchenräume“ wurden beide im Februar 2019 gestartet. Die Ausstellung „Fluch und Segen. Kirchengebäude im Wandel” ging im Jahr 2020, nachdem sie als Teil der größeren Ausstellung „Fluch und Segen. Kirchen der Moderne” in St. Gertrud in Köln (09.09. – 10.11.2019) erstmals zu sehen war, auf Wanderschaft.


Webseite

Die Webseite www.zukunft-kirchen-raeume.de dient als Informationsplattform, allgemeine Orientierungshilfe und fachliches Netzwerk für Kirchengemeinden, Initiativen und andere, die sich über die bauliche Anpassung und Umnutzung zum Erhalt von Kirchengebäuden informieren möchten. Fachbeiträge, beispielsweise zu den Bereichen Baurecht und Prozessplanung, eine Liste von Ansprechpersonen sowie Beispiele realisierter Projekte aus Nordrhein-Westfalen sind auf der Plattform einsehbar. Die Webseite wird stetig um weitere Projektbeispiele ergänzt und weist auf themenbezogene Veranstaltungen hin. Darüber hinaus gibt sie Einblick in die laufenden Prozesse der acht am Programm teilnehmenden Projektgruppen.


Zukunftskonzept Kirchenräume

Im Gegensatz zu der Webseite stellt das Programm „Zukunftskonzept Kirchenräume“ ein prozessbegleitendes und damit praxisbezogenes Unterstützungsangebot dar. Es bietet einer durch eine Jury ausgewählten Teilnehmerzahl konkrete Hilfestellung bei der Herausforderung der zukünftigen Perspektivfindung ihres Sakralbaus. Die Idee ist, dass sie gemeinsam mit fachlicher Unterstützung von Experten ein tragfähiges Anpassungs- oder Umnutzungskonzept für ihr jeweiliges Kirchengebäude entwickeln und langfristig auch in die Praxis umsetzen.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurden zuerst Projektgruppen gebildet, die sich jeweils aus einem Expertenbüro als sogenannte Prozessbegleitung und aus maximal 10 am Projekt beteiligte Personen zusammensetzen. Seit Herbst 2019 arbeiten diese acht Projektgruppen zunächst an Vorstudien (Teil I des Gesamtprozesses), für die die jeweiligen Grundlagen für eine Anpassung oder Umnutzung des Gebäudes sowie erste Nutzungsideen ermittelt, gesammelt und überprüft werden. Nach Abgabe eines Ergebnisberichts zu Ende 2020, erfolgt Anfang 2021 eine zweite Jurysitzung, bei der maximal die Hälfte der Projektgruppen die Möglichkeit erhält in Teil II des Gesamtprozesses die erarbeitete Vorstudie zu vertiefen, Nutzungsideen zu konkretisieren und nötige Voraussetzungen für eine bauliche Umsetzung zu analysieren. In jedem Prozessteil können neben der kontinuierlichen Betreuung durch die Prozessbegleitung zusätzliche Fachberatungen abgerufen und Themen-Workshops durchgeführt werden. Eine schriftliche Konzeptstudie bildet u.a. den Ausgang des Programms.

Die jurierten Kirchenprojekte in der Übersicht

  • Reformierte Kirche, Iserlohn – Evangelische Versöhnungs-Kirchengemeinde Iserlohn wird begleitet von startklar a+b GmbH und HauptwegNebenwege GmbH, Köln

 

 

  • Dreifaltigkeitskirche, Essen – Evangelische Kirchengemeinde Essen-Borbeck-Vogelheim wird begleitet von startklar a+b GmbH und HauptwegNebenwege GmbH, Köln

 

An Teil II nehmen weiter teil:

  • Lukaskirche, Köln – Evangelische Kirchengemeinde Porz wird begleitet von Wolf. R. Schlünz – Projekte, Bonn

 

  • St. Michael, Oberhausen – Katholische Kirchengemeinde St. Marien Alt-Oberhausen wird begleitet von zwo+ Architekten, Bochum

 

  • Pauluskirche, Gelsenkirchen – Evangelische Apostel Kirchengemeinde Gelsenkirchen wird begleitet von ASK Architektur- und Sachverständigenbüro Kramp, Lemgo

 

  • St. Barbara, Neuss – Katholische Kirchengemeinde St. Marien im Kirchenverband Neuss-Mitte wird begleitet von HJPplaner, Aachen

 


Fluch und Segen. Kirchengebäude im Wandel

Die Debatte um Abriss, Umbau und Umnutzung von christlichen Kirchen wird in ganz Westeuropa geführt. In Nordrhein-Westfalen, insbesondere an Rhein und Ruhr, ist sie aktuell von besonderer Dringlichkeit.

Von September bis Anfang November 2019 zeigte das damalige M:AI, Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW, in St. Gertrud in Köln die Ausstellung „Fluch und Segen. Kirchen der Moderne.“ Der Teil der Kölner Ausstellung, der die Umnutzung von Kirchen thematisiert, ist seit Januar 2020 unter dem Titel „Fluch und Segen. Kirchengebäude im Wandel“ auf Wanderschaft. Anhand von 17 Projekten, die überwiegend aus Nordrhein-Westfalen stammen, erläutert das Museum der Baukultur mit welchen neuen Konzepten und baulichen Veränderungen sich Kirchengemeinden der Herausforderung stellen, wenn sie eines ihrer Kirchengebäude als Gemeindekirche aufgegeben müssen.


Projektpartner

*„Zukunft – Kirchen – Räume“ ist ein Kooperationsprojekt von Baukultur Nordrhein-Westfalen, der Architektenkammer NRW und der Ingenieurkammer-Bau NRW unter Mitwirkung der (Erz-)Bistümer und Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen, vertreten durch das Evangelische Büro NRW und das Katholische Büro NRW sowie mit Unterstützung des Lehr- und Forschungsgebiets für Immobilienprojektentwicklung, Fakultät für Architektur, RWTH Aachen University. Die Idee zur Webseite und zum Projektaufruf wurde mit Unterstützung von Jörg Beste, Büro Synergon in Köln entwickelt.

Baukultur Nordrhein-Westfalen und das Projekt „Zukunft – Kirchen – Räume“ werden gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen.

„Zukunft – Kirchen – Räume“ findet unter der Schirmherrschaft von Ministerin Ina Scharrenbach (Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen) statt.


Projekthintergrund

Nordrhein-Westfalen verfügt über einen großen und vielfältigen Bestand an Kirchengebäuden. Er umfasst über 6.000 Bauwerke aller Größen und Bauepochen, von der Kapelle über die Kirche bis zum Dom und von der mittelalterlichen Baukunst bis zur zeitgenössischen Architektur. Diese Bauwerke dokumentieren eine lange Bautradition und wirken identitätsstiftend für viele Menschen. Ihre besonderen architektonischen, ingenieurtechnischen und städtebaulichen Merkmale prägen in besonderer Weise das Bild unserer Städte und Gemeinden. Dort bieten sie den Menschen Raum zur Ausübung ihres Glaubens, aber auch für das Gemeindeleben sowie für andere soziale und karitative Angebote.

Der demographische Wandel, rückläufige Kirchenmitgliederzahlen und die veränderten Gewohnheiten und Prioritäten bei der kirchlichen Glaubensausübung sind Grund dafür, dass diese Räume immer weniger genutzt werden. Wegen der demographischen Entwicklung ist absehbar, dass die Einnahmen aus Kirchensteuern sinken und damit die Möglichkeiten zum Unterhalt von Kirchengebäuden geringer werden. Einige Kirchengemeinden sind bereits heute nicht mehr in der Lage ihre Kirchengebäude zu erhalten und stehen unter einem enormen Handlungsdruck. Schätzungen gehen davon aus, dass langfristig 25 bis 30 Prozent unserer Kirchenbauwerke leer fallen und damit einer unserer bedeutendsten baulichen Schätze bedroht ist. Diese Bauwerke zu erhalten und in angemessener Weise an die Veränderungen anzupassen ist ein wichtiges Anliegen und eine große Herausforderung – nicht nur für die betroffenen Kirchengemeinden, sondern für unsere Gesellschaft als Ganzes.