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29.09.2022
Kirchen als Denkräume! Der 30. Evangelische Kirchbautag im Rückblick

Von 8. bis 11. September fand in Köln der 30. Evangelische Kirchbautag statt. Die zentrale Frage war: Was passiert mit den Kirchen, die wegen der sinkenden Zahl von Christen nicht mehr gebraucht werden?

Kirchen als Denkräume! Der 30. Evangelische Kirchbautag im Rückblick Ev. Friedens- und Versöhnungskirche in Overath | Foto: Stefan Müller

Mehr als 500 Teilnehmer trafen sich vier Tage lang in Köln zum 30. Evangelischen Kirchbautag unter dem Motto „Mut baut Zukunft“. Zu den Kirchbautagen kommen vor allem all diejenigen, die sich in den Evangelischen Landeskirchen um das Bauen kümmern: Architekten und Architektinnen, Künstlerinnen und Künstler – und dieses Mal waren auch viele Pastoren und Pastorinnen in Köln, denn es ging um eine der großen Zukunftsfragen: Was passiert mit den zahlreichen Kirchen und Gemeindezentren, die aufgrund der sich stetig verringernden Zahl von evangelischen Christen nicht mehr gebraucht werden? Eine Herausforderung, die sich gleichermaßen auch für die Katholische Kirche stellt.

Mehr als ein funktionaler Wert?

Aktuelle Studien gehen davon aus, dass im Jahr 2060 beide christlichen Kirchen nur noch die Hälfte ihrer derzeitigen Mitglieder haben werden. Damit geht auch ein enormer finanziellen Verlust einher, der für den Unterhalt der Gebäude gravierende Folgen hat. Die Frage war also: Wie gehen wir mit unseren Kirchengebäuden um – abreißen, umbauen, für andere Nutzen freigeben? In den Eröffnungsworten aber kristallisierte sich sehr schnell eine noch tieferliegende Frage heraus: Haben Kirchenbauten einen Wert, der über den rein funktionalen Raum hinausgeht? Im Vorwort des Programmheftes wagten die Veranstalter des Kirchbautages eine steile These: „‚Mut baut Zukunft‘ – weil eine kluge Investition in Steine auch eine Investition in Menschen und ihre Möglichkeiten zur Entfaltung ist.“

Und so stellte auch Gerhard Matzig, der bekannte Architekturjournalist der Süddeutschen Zeitung, in seinem Eröffnungsvortrag die identitätsstiftende und ikonische Kraft von Bauwerken in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Er zeigte – wohl mit einem kleinen Augenzwinkern – keine Kirchenbauwerke, sondern verwies unter anderem auf das bis heute legendäre Olympiadach in München. Nicht nur bei dessen Entwurf, sondern auch bei der Realisation sind Architekten, Ingenieure und Bauleute mit viel Mut und Risikobereitschaft ans Werk gegangen, um in einer gänzlich neuen Architektur ein heiteres Bild von Deutschland zu zeigen.

Kultureller Ausdruck in der Architektur

„Wir drücken uns in Architektur aus“, brachte es Professor Thomas Erne in der anschließenden Diskussion auf den Punkt. Die beiden Diskutanten kamen zu dem Fazit, dass in den Kirchenräumen die christliche Botschaft zurzeit deutlicher erlebbar sei, als in der Verkündigung der Institutionen. So müssten sich die beiden christlichen Kirchen in ihren Denkräumen wieder weiten und außerdem Denkraum und architektonischer Raum wieder enger zusammenkommen!

Das war ein Gedanke, der mich im Rahmen des Kirchbautages auch auf der Exkursion nach Overath zu der Friedens- und Versöhnungskirche begleitete ….

Den gesamten Artikel von Dr. Ursula Kleefisch-Jobst finden Sie auf baukultur.nrw

Ev. Friedens- und Versöhnungskirche in Overath | Foto: Stefan Müller

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