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20.02.2025
Vom Sakralraum zur Kunsthalle: Kirchenumnutzung in Kopenhagen als „Vierte Orte“
Die Umnutzung von Kirchengebäuden ist in vielen europäischen Städten zu einer zentralen Herausforderung geworden. Kopenhagen zeigt dabei einen bemerkenswert klaren Umgang: Ehemalige Sakralräume werden hier häufig zu kulturellen Orten mit eindeutiger Funktion transformiert – vor allem im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Im Kontext der Diskussion um „Vierte Orte“ entstehen so Räume, die weniger durch alltägliche Nutzung als durch gemeinsame kulturelle Erfahrung geprägt sind.
Kunsthalle Nikolaj, Foto: Felix Hemmers
Kontext: Säkularisierung und neue Nutzungen
Wie in vielen nordeuropäischen Ländern hat auch in Dänemark die religiöse Bindung in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen. Kirchen verlieren ihre ursprüngliche Funktion, bleiben aber als prägende Bauwerke im Stadtraum erhalten.
In Kopenhagen werden diese Gebäude häufig nicht nur erhalten, sondern gezielt neu programmiert:
- als Kunsthallen
- als Ausstellungsräume
- als Orte für Performances und Veranstaltungen
Dabei fällt auf: Die neuen Nutzungen sind meist klar definiert und dauerhaft angelegt.
Fallbeispiel: Kunsthalle als öffentlicher Ort
Nikolaj Kunsthal
Die ehemalige St.-Nikolai-Kirche im Zentrum Kopenhagens ist heute eine zentrale Institution für zeitgenössische Kunst. Die Transformation zur Kunsthalle zeigt exemplarisch, wie Kirchengebäude zu öffentlichen Kulturorten werden können.
Die Architektur bleibt erhalten und prägt die Atmosphäre der Ausstellungen, gleichzeitig ist die Nutzung eindeutig: Kunst zeigen, vermitteln und erlebbar machen.
Als „Vierter Ort“ funktioniert die Kunsthalle vor allem durch:
- ihre öffentliche Zugänglichkeit
- die Möglichkeit zur kulturellen Teilhabe
- die gemeinsame Erfahrung von Ausstellungen
Allerdings ist dieser Ort weniger spontan als klassische Treffpunkte – er ist programmiert und kuratiert.
Kunst als Erfahrung: „Breaking Darkness“
Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die Ausstellung Breaking Darkness (bis Juli 2025), die sich mit dem Werk des dänischen Regisseurs Lars von Trier beschäftigt.
Die Ausstellung verwandelt die gesamte Kirche in eine begehbare Installation. Filmische Motive werden in Räume übersetzt und können physisch erlebt werden.
Charakteristisch:
- die Nutzung der gesamten Architektur (Höhe, Gewölbe, Raumabfolge)
- der Einsatz von Licht, Sound und Objekten
- eine starke, immersive Atmosphäre
Hier entsteht Öffentlichkeit nicht durch Alltag, sondern durch ein gemeinsames kulturelles Erlebnis, das Besucher aktiv durchlaufen.
Typische Formen der Kirchenumnutzung in Kopenhagen
Ausgehend von solchen Beispielen lassen sich drei Formen unterscheiden:
1. Dauerhafte Kulturorte
- z. B. Kunsthallen oder Ausstellungsräume
- klare Nutzung und institutionelle Einbindung
2. Veranstaltungsorte
- Konzerte, Installationen, Festivals
- temporäre, oft intensive Nutzung
3. Kuratierte öffentliche Räume
- zugänglich, aber strukturiert
- Nutzung über Programme gesteuert
Diese Orte zeigen, dass „Vierte Orte“ nicht nur durch Alltag entstehen müssen – auch Kunst und Kultur können Öffentlichkeit herstellen.
Was wir daraus lernen können
Die Beispiele aus Kopenhagen legen nahe:
1. Klare Nutzung schafft Nutzung
Räume werden dann belebt, wenn ihre Funktion verständlich und dauerhaft ist.
2. Kultur kann Öffentlichkeit erzeugen
Auch kuratierte Orte können soziale Räume sein – wenn sie zugänglich und relevant sind.
3. Architektur als Chance nutzen
Kirchen bieten besondere Räume, die sich für Kunst und Inszenierung besonders eignen.
Fazit
Kopenhagen zeigt eine mögliche Zukunft für Kirchengebäude: nicht als reine Erinnerungsorte, sondern als aktive Bestandteile des städtischen Lebens.
Die Räume bleiben bestehen – aber ihre Bedeutung verändert sich grundlegend.
Die entscheidende Frage lautet daher:
Wie schaffen wir aus bestehenden Gebäuden neue öffentliche Orte?