Projekt

Kreuzkirche | Begegnungszentrum

Marl
Ort
45770 Marl, Goldregenstraße 17
Ursprüngliche Nutzung
Kirche und Gemeindezentrum der Evangelischen Stadt-Kirchengemeinde Marl
Neue Nutzung
Begegnungs- und Quartierszentrum
Gebäude
1969–1970 erbaut, Architekten: Martin und Eckhard Saager, Mettmann | 2017 entwidmet | 2019 - 2025 Planung und Umbau zu Begegnungszentrum, Trägerschaft: AWO Westliches Westfalen e.V, Betrieb: AWO-Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen, Umbau: AWO Immobilien GmbH (Architekt Gregor Treder) | 2025 Eröffnung
Denkmalschutz
Das Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz.

Ortslage | Städtebauliche Situation

Die Kreuzkirche befindet sich im Marler Stadtteil Sinsen an der Goldregenstraße 17 in einem überwiegend wohngeprägtem Quartier. Das Umfeld ist durch Einfamilienhäuser, kleinere Mehrfamilienhäuser sowie lokale Infrastruktureinrichtungen geprägt und weist einen ausgeprägt nachbarschaftlichen Charakter auf.

Als freistehendes, denkmalgeschütztes Gebäude bildet die Kreuzkirche einen identitätsstiftenden Orientierungspunkt im Stadtteil. Durch ihre Lage an einer gut erreichbaren Straße ist sie sehr sichtbar und eignet sich besonders als öffentlicher, sozialer wie kultureller Treffpunkt.

Gebäude | Bauform

Die Kreuzkirche wurde in den Jahren von 1969 bis 1970 nach Plänen der Architekten Martin und Eckhard Saager errichtet und als modernes Gemeindezentrum der Nachkriegsmoderne konzipiert. Der Bau zeichnet sich durch eine klare, funktional geprägte Architektursprache aus, die den sakralen Raum mit ergänzenden Gemeindefunktionen verbindet.

Als denkmalgeschütztes Bauwerk besitzt die Kirche einen hohen architektonischen und zeitgeschichtlichen Wert. Prägend sind unter anderem die Fassadengestaltung sowie die großformatigen Holzrahmenfenster, die auch im Zuge der Umnutzung erhalten und behutsam saniert wurden. Der großzügige Innenraum bot zudem gute Voraussetzungen für eine flexible Neustrukturierung.

Historische Bedeutung | Soziales Umfeld

Über Jahrzehnte hinweg war die Kreuzkirche ein zentraler Ort des Gemeindelebens in Marl-Sinsen. Mit dem Rückgang kirchlicher Nutzungen und einem längeren Leerstand entstand jedoch die Gefahr des baulichen und funktionalen Bedeutungsverlusts. Gleichzeitig bestand im Stadtteil ein wachsender Bedarf an niedrigschwelligen Begegnungs-, Beratungs- und Freizeitangeboten.

Vor diesem Hintergrund gewann die Idee einer sozialen Nachnutzung zunehmend an Bedeutung. Ziel war es, die Kirche nicht nur als Baudenkmal zu bewahren, sondern sie erneut als aktiven Bestandteil des Quartierslebens zu etablieren.

Kirchliche Nutzung | Einbindung in die Bürgergemeinde

Nach der Entwidmung des Gebäudes entstand die Idee, die Kreuzkirche für gemeinwohlorientierte Nutzungen zu öffnen. Die Umnutzung knüpft dabei bewusst an die ursprüngliche Rolle der Kirche als Ort der Gemeinschaft an und überträgt diese in einen säkularen, sozial orientierten Kontext.

Durch die neue Funktion als Quartierszentrum bleibt die Kreuzkirche ein Ort der Begegnung und des Austauschs, der weiterhin offen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen ist und den sozialen Zusammenhalt im Stadtteil stärkt.

Prozess | Beteiligte

Der AWO Bezirk Westliches Westfalen e.V. ist der im Wesentlichen finanzierende Projektverantwortliche, Antragsteller der Fördermittel, Erbpachtnehmer des Gesamtareals sowie Errichter und Eigentümer der nebenliegenden Wohnanlage. Die Planung und Umsetzung des Projekts wurde seit 2019 von der AWO Immobilien GmbH vorangetrieben.

In enger Zusammenarbeit mit der unteren Denkmalbehörde der Stadt Marl sowie dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe wurden Lösungen entwickelt, die sowohl den Erhalt der historischen Substanz als auch die Anforderungen an eine moderne Nutzung berücksichtigen.

Der langjährige Leerstand und witterungsbedingte Schäden stellten besondere Herausforderungen dar. Insbesondere der Erhalt der prägenden Holzrahmenfenster und der Eingangsfassade machte teils unkonventionelle, denkmalgerechte Lösungen notwendig. Seit August 2023 wurden umfangreiche bauliche Maßnahmen umgesetzt, darunter der Einbau einer modernen Heizungsanlage, neuer Lüftungssysteme, die Sanierung der Sanitärbereiche sowie die vollständige Erneuerung des Brandschutzkonzepts.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Herstellung einer möglichst umfassenden Barrierefreiheit. Neue Rampen im Außen- und Innenbereich, ein Plattformlift sowie rollstuhlgerechte Sanitäranlagen ermöglichen heute einen Zugang zu allen Ebenen des Gebäudes. Im September 2025 wurde die umgebaute Kreuzkirche schließlich als Quartierszentrum eröffnet.

Nutzungskonzept | Neunutzung

Die Kreuzkirche wurde zu einem inklusiven Stadtteilbegegnungs- und Beratungszentrum transformiert. Ziel des neuen Nutzungskonzepts ist es, einen offenen, multifunktionalen Raum zu schaffen, der soziale Angebote bündelt und niedrigschwellige Zugänge für alle Bevölkerungsgruppen bietet.

Geplant ist unter anderem eine Stelle für Person, die als Quartiersmeister*in arbeitet und- als zentrale Anlaufstelle für die Anliegen der Bewohner*innen fungiert sowie die Vernetzung lokaler Akteur*innen unterstützt. Ergänzt wird das Angebot durch einen offenen Kinder- und Jugendtreff, realisiert mit Fördermitteln der Stadt Marl. Darüber hinaus ist die Einrichtung einer ambulanten Mutter-Kind-Einrichtung mit sechs Plätzen vorgesehen, die werktags betreuende und beratende Angebote bereitstellt.

Die inhaltliche Ausrichtung wird in enger Kooperation mit lokalen Initiativen wie „Sinsen lebt!“, „Sinsener Art“ sowie dem AWO-Stadtverband weiterentwickelt. Damit wird die Kreuzkirche zu einem gemeinschaftlich getragenen Ort, der flexibel auf die Bedürfnisse des Quartiers reagieren kann.

Besonderheiten | Erfahrungen

Mit der Umnutzung der Kreuzkirche in Marl-Sinsen ist ein beispielhaftes Projekt gelungen, das Denkmalschutz, Barrierefreiheit und soziale Quartiersarbeit miteinander verbindet. Der ehemalige Sakralraum wurde nicht nur baulich erneuert, sondern funktional neu interpretiert und als offener Begegnungsort in den Alltag des Stadtteils integriert.

Die Kreuzkirche bleibt damit ein prägendes Wahrzeichen Marl-Sinsens und entwickelt sich außerdem zu einem lebendigen sozialen Zentrum, das Teilhabe fördert, Netzwerke stärkt und die Kirche als öffentlichen Raum neu definiert.

Weitere Informationen zum Projekt:

https://www.awo-msl-re.de/organisation/meldungen/begegnungszentrum-kreuzkirche-eroeffnet