Projekt

Martin-Luther-Kirche | Kindertagesstätte

Hagen, Martin-Luther-Straße 3
Ort
Martin-Luther-Straße 3, 58095 Hagen
Ursprüngliche Nutzung
Kirche der Evangelischen Kirche von Westfalen
Neue Nutzung
Kindertagesstätte
Gebäude
1960-1964 erbaut, Architekt: Dieter Langmaack | 1998 Umbau des Westflügels zum Orchesterproberaum, Architekt: Tobias Langmaack | 2015 entwidmet | 2016 in den Besitz der Stadt Hagen übergegangen | 2017 Umbau, Architekt: Tobias Wabbel, Hagen und Ellertmann Schmitz Architekten, Münster
Denkmalschutz
Das Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz.

Ortslage | Städtebauliche Situation

In unmittelbarer Bahnhofsnähe im Zentrum Hagens befindet sich die ehemalige Martin-Luther-Kirche. Das Kirchenschiff ist rückwärtig auf dem innerstädtischen Grundstück positioniert und wird dreiseitig von kompakter Nachbarbebauung umgeben. Von Westen nach Osten verbreitert sich der Grundriss, das Dach steigt nach Osten über den Altarraum an. An der Straßenachse der Martin-Luther-Straße steht der Turm mit offener Bekrönung im Süden. Orthogonal zur Martin-Luther-Straße verläuft die Stresemannstraße, die direkt Richtung Turm führt. Turm und Kirchenschiff werden durch einen flachen Bau mit Saal und Sakristei verbunden. Im Südwesten zur Straße befindet sich ein kleiner Vorplatz.

Gebäude | Bauform

Im Zuge der Industrialisierung und des Stadtwachstums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde nach langem Entscheidungsprozess bis 1889 die Martin-Luther-Kirche als zweite Kirche der größeren Evangelischen Kirchengemeinde in Hagen errichtet. Der neogotische Bau wurde nach den Entwürfen des Leipziger Architekten Zeissig errichtet – eine kompakte zentralisierende Anlage mit dreiseitig umlaufenden Emporen und vorgestelltem Turm.

Bis auf den Turmschaft und einzelne Teile der Außenmauern wurde im Jahre 1944-45 während des zweiten Weltkriegs die gesamte Kirche zerstört. 1947 wurde in den Trümmern der alten Kirche eine alte Reichsarbeitsdienst-Baracke als Notkirche errichtet.
Um 1956 herum nahm sich der Architekt Langmaack den Planungen eines Neubaus an. Zunächst bestanden Überlegungen, die Kirche an anderer Stelle zu errichten, jedoch fiel die Entscheidung die Kirche samt Gemeindehaus trotz beengter Verhältnisse an gleicher Stelle zu bauen. Langmaack entschied sich für den Neubeginn an diesem historischen Ort bewusst für eine neue Form und Konzeption der Kirche.

1960 wurde die Notkirche abgebrochen, die restlichen Trümmer beseitigt und der Grundstein für die neue Martin-Luther-Kirche gelegt. Der alte Turmschaft blieb auf Grund guter Substanz im Kern erhalten und wurde vom neuen Turm ummantelt. Der zwischen Turm und Kirchenraum eingefügte Zwischenbau hat eine Werktagskapelle aufgenommen, deren Raum jedoch auch bei besonders starkem Besuch mit der Kirche verbunden werden konnte. Das neue Kirchenschiff wurde rückwärtig auf dem Grundstück positioniert, wodurch sich ein kleiner Vorplatz ergab. Der Bau wurde im September 1962 fertiggestellt.

Ab Mitte der 1990 Jahre gab es kleinere Umbaumaßnahme, so wurde 1990 die Empore verlängert und weitere Räume im Erdgeschoss eingebaut. Seit Ende der 2000er Jahre wurde die Kirche durch einen Kindergarten mitgenutzt, was zu späterem Zeitpunkt aus Sicherheits- und Kostengründen nicht mehr möglich war.

2011 wurde das Gemeindehaus abgerissen und seitdem fand keine Nutzung des Gebäudes mehr statt.

Historische Bedeutung | Soziales Umfeld

k. A.

Kirchliche Nutzung | Einbindung in die Bürgergemeinde

Die Martin-Luther-Kirche diente der großen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Hagen als zweite Gemeindekirche. Zwischenzeitlich wurde die Kirche von der südwestfälischen Philharmonie und einer Kindertagesstätte genutzt, bis sie im Jahre 2015 entwidmet wurde. 2016 ging die Lutherkirche in den Besitz der Stadt Hagen über.

Prozess | Beteiligte

k. A.

Nutzungskonzept | Neunutzung

Die Grundidee ist, die denkmalgeschützte Gebäudehülle möglichst unberührt zu lassen und einen neuen, thermisch getrennten Baukörper in das Kirchenschiff zu stellen. Das „Haus-im-Haus”-Prinzip erlaubt es, den baulichen Anforderungen einer KiTa gerecht zu werden.
Der eingestellte Baukörper, die Arche, orientiert sich mit seiner Grundform an der Gebäudekubatur der Kirche. Reduziert in seiner Materialität und mit zurückhaltendem Farbkonzept wirkt der Baukörper nicht aufdringlich, sondern geht viel mehr eine Einheit mit dem Bestand ein.

Die weiße Lattung des Baukörpers greift vorhandene Elemente wie die Holzverkleidung der ehemaligen Orgelempore auf.
Die Haupteingangstür zur Kirche bleibt originalgetreu erhalten und führt den Besucher ins Foyer, welches als Vorzone und Kinderwagenbereich fungiert. Dadurch, dass der neue Baukörper von der Kirchenfassade abgerückt ist, entsteht ein umlaufende Spiel- und Begegnungszone. Hier stehen sich Alt und Neu gegenüber. Der Blick wird auf der einen Seite auf die denkmalgeschützte Betonverglasung der Kirchenfassade, auf der anderen Seite auf die klar strukturierte Holzfassade der Arche gelenkt. Vom Umlauf wird die Arche über einen zentralen Flur mit Garderobe erschlossen. In Absprache mit dem Denkmalschutz konnten hierfür die alten Kirchenbänke zu Garderobenmöbeln umgebaut werden.

Im Erdgeschoss des Baukörpers befinden sich Personalräume und ein Leiterbüro, ein Gruppenraum sowie ein Mehrzweckraum. Große Fassadenflächen des Mehrzweckraums können geöffnet und dieser so räumlich um den ehemaligen Altarbereich erweitert werden, was eine flexible Nutzung für Veranstaltungen oder Gruppenaktivitäten ermöglicht.

Im rückwärtigen Bereich der ehemaligen Orgelempore befinden sich die Küche und Sanitärbereiche. Eine Treppe im notwendigen Flur verbindet die beiden Ebenen der Arche. Die in der Nordfassade verbauten Kunststofffenster werden durch eine sechs Meter hohe Pfosten-Riegel-Fassade verglast. Auf der Südseite werden zwecks besserem Tageslichteinfall vereinzelt Elemente der Betonverglasung geöffnet.
Tageslicht spielte bei diesem Bauvorhaben eine besondere Rolle. So war es unumgänglich zwecks besserer Tageslichtnutzung die Buntglasfenster im Chorbereich durch Klarglas zu ersetzen. Die alten Fenster verbleiben jedoch als Wandinstallation an den Altarwänden.

Alle Gruppen- und Nebenräume im Obergeschoss erhalten zusätzlich zur raumhohen Fensterelementen Oberlichter. So kann der Tageslichteinfall verbessert werden, während der Raum der Kirche nach wie vor erlebbar bleibt. Die Gruppenräume können auch von außen über eine Stahlbrücke erschlossen werden, die sich zwischen Arche und Kirchenfassade spannt. Über eine Außentreppe besteht aus dem Obergeschoss eine direkte Verbindung zu den Außenanlagen.

Die U3-Kinder sind außerhalb der Arche im Zwischenbau der ehemaligen Werktagskapelle untergebracht. So besteht der direkte Zugang zum eigenen Außenbereich. Zur Erfüllung des Raumprogramms war eine Umstrukturierung der Räume des Zwischenbaus nötig. Zwecks Erhaltung der aufwändig gestalteten Mosaiknische des Malers und Grafikers Karl Hellwig, wurde diese aus der Trennwand herausgestemmt, versetzt und in die neue Wand des Gruppenraums integriert.

Besonderheiten | Erfahrungen

k. A.

Ellertmann.Schmitz Architekten, Münster

Weitere Informationen zum Projekt:

https://ellertmannschmitzarchitekten.de/de/projekte/kita-martin-luther-kirche