Projekt

Ev. Reformierte Kirche | im Prozess

Iserlohn
Ort
Wermingser Straße 9, 58636 Iserlohn
Gebäude
1718 erbaut, Architekt: k. A. | 1901 Umgestaltung (Empore und Kanzel) durch Gerhard August Fischer | 1955 Weitere Umgestaltungen | 1960er Entfernung der Bänke und Umgestaltung zu einer Alltagskirche | bis 2010 Nutzungserweiterung mit einem Citykirchen-/Kulturraumkonzept | 2018 Einrichtung einer Projektgruppe und Workshop zur Ideenfindung | seit 2019 Teilnahme am prozessbegleitenden Unterstützungsangebot „Zukunftskonzept Kirchenräume“
Denkmalschutz
Das Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz.

Trägerschaft

Evangelische Versöhnungs-Kirchengemeinde Iserlohn

Zuständige Prozessbegleitung

startklar a+b GmbH und HauptwegNebenwege GmbH, Köln

Amtsbereich

Evangelische Kirche von Westfalen

Ortslage | Städtebauliche Situation

Stadt Iserlohn, Zentrum ~ 22.000 Einwohner

Die Reformierte Kirche im Herzen der Waldstadt Iserlohn an der Hauptfußgängerstraße „Wermingser Straße“ auf einem zweiseitig erschlossenen Grundstück. Das historische Gebäude aus dem 18. Jahrhundert steht in die innerstädtische Bebauung eingebaut auf einem Eckgrundstück. Es ist inzwischen durch höhere gründerzeitliche Bebauung in der Nachbarschaft überragt. Mit einem verschieferten Dachreiter als Glockenträger und dem Hauptportal ist es in der Wermingser Straße allerdings prominent wahrnehmbar. Das Umfeld wird überwiegend durch Einzelhandelsnutzungen dominiert.

Als „kleine Großstadt“ liegt Iserlohn im Grenzland zwischen ländlich geprägten Gemeinden und dem Ruhrgebiet.  Auch wenn die Innenstadt oft belebt ist, wird sie von den Bürgerinnen und Bürgern nur sporadisch als Ort attraktiver Kultur-, Bildungs-, und Freizeitangebote empfunden und genutzt. Besonders junge Menschen zieht es, wenn sie finanziell und sozial mobil sind, nahezu automatisch in die angrenzende Metropolregion. Neben strukturellen Verbesserungen etwa im Rahmen des Konzepts „Mein Iserlohn 2040“ bedarf es hier vor allem neuer kultureller Angebote, die die Einwohner in ihrer Diversität ansprechen und über konkrete Beteiligung auch emotional an ihre Heimatstadt zu binden vermögen.

Gebäudehistorie | Bauform

Die Reformierte Kirche von 1718 wurde als barocker Zentralbau mit Walmdach und Dachreiter errichtet. Zwei raumhohe Holzsäulen mit Kapitellen stützen das sechsteilige Muldengewölbe. Die Bänke auf der dreiseitigen Empore (Westseite von 1730, Verlängerung bis an die Ostseite an der Nord- und Südseite von 1910) lassen die vierte östliche Wand frei mit der mittigen Kanzel. Ihr gegenüber befindet sich die Friedrich-Schulze-Orgel von 1847. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Der schlichte Hallenbau aus dem 18. Jahrhundert hat eine an drei Seiten umlaufende Empore aus Holz mit einer Orgel, ansonsten ist der Raum barrierefrei und flexibel zu gestalten. Abgetrennt gibt es eine Teeküche und ein WC. Der allgemeine Zustand ist gut, für den langfristigen Erhalt und ein nachhaltiges Nutzungskonzept sind bauliche Maßnahmen (sanitäre Anlagen, Boden, Eingangsbereich, Heizung etc.) unumgänglich. Das Gebäude stellt historisch und städtebaulich einen markanten Identifikationspunkt in zentraler Lage von Iserlohn dar und ermöglicht aufgrund seines einfachen Raumkonzepts eine flexible Nutzung. Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die Bänke entfernt, die Kirche bekam neue Stühle und verstand sich zunehmend als Stadtkirche.

Bedeutung | Umfeld | Motivation

Bei sinkenden Mitgliederzahlen und steigendem Durchschnittsalter fällt es der Kirchengemeinde zunehmend schwer, die Nutzung der Evangelisch Reformierten Kirche sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich aufrechtzuhalten. Sie hat daraufhin beschlossen, einen Prozess in Gang zu setzen, der alle gesellschaftlichen Gruppen im Quartier dazu einlädt, ihre Bedarfe und Wünsche für eine zukünftige Nutzung des Gebäudes zu äußern. Ziel ist es, die Kirche als identitätsstiftenden Ort der Innenstadt zu erhalten. Dies schließt die Möglichkeit einer Entwidmung ausdrücklich mit ein. Zu diesem Zweck wurde Ende 2018 eine Projektgruppe eingerichtet, der kirchliche und nicht kirchliche Stakeholder vor Ort angehören, u.a. die Iserlohner Werkstätten gGmbH, das Fliedner Berufskolleg, die städtische Volkshochschule sowie das Referat Kultur und das Jugendbüro der Stadt Iserlohn. Nach einem ersten Austausch über realistische Perspektiven für die künftige Nutzung des Gebäudes wurden die Schüler*innen des Fliedner Berufskollegs in die Evangelisch Reformierte Kirche eingeladen, um hier ganz unmittelbar ihre Wünsche und Bedarfe zu nennen und aufzuschreiben. Anschließend wurden die weit über hundert Ideen in der Projektgruppe präsentiert und diskutiert. Es entstand eine erste Vision: Die Kirche soll eine „Wohnung werden, die allen Bürgerinnen Iserlohns offen steht. Im Kirchenraum werden lokalen Gruppen und Initiativen drei bis vier nach oben offene „Zimmer” zur Verfügung gestellt, die sie während eines begrenzten Zeitraums (etwa 3-6 Monate) individuell einrichten und für kulturelle Aktivitäten nutzen können. Im Idealfall wird der Innenraum der Kirche zu einer sich ständig ändernde Landschaft aus „Zimmern”, die die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten in der Stadt widerspiegelt und so Heimat neu verortet. Und von der Empore ergibt sich dann ein Panorama-Blick auf die spannende Vielfalt der eigenen Stadt.
Das kulturelle Angebot soll durch einen permanenten gastronomischen Service in der „Küche” der „Wohnung” ergänzt werden, der langfristig zur Refinanzierung der Kosten auch über die Projektphase hinaus beiträgt.

Ausgangslage

Die Evangelisch Reformierte Kirche ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Iserlohn. Sie steht mitten im Zentrum der Stadt und trägt – trotz bescheidener Größe – maßgeblich zum Erscheinungsbild der Haupteinkaufsstraße bei. Derzeit wird sie nur noch selten für Gottesdienste sowie sonstige Veranstaltungen mit meist kirchlichem Schwerpunkt genutzt.

Beurteilung zur Teilnahme an Zukunftskonzept Kirchenräume und Juryempfehlung

„Die denkmalgeschützte reformierte Kirche aus dem Jahr 1718 ist direkt in der Haupteinkaufsstraße von Iserlohn platziert und daher schon aufgrund ihres prominenten Standortes bedeutend und zentral. Die Kirchengemeinde möchte die Kirche als identitätsstiftenden Ort erhalten und den Bürgerinnen und Bürgern für unterschiedliche Aktivitäten zugänglich machen. Für die zahlreichen Nutzungsüberlegungen, die bereits heute diskutiert werden, wird es im weiteren Verfahren stark darauf ankommen eine überzeugende gestalterische Lösung für den sensiblen Kirchenraum zu finden.“

(Frau Gotthardt, Evangelische Kirche im Rheinland)

Relevante Themen innerhalb des Prozesses

k. A.

Besonderheiten / bisherige Erfahrungen

k. A.

(Projektgruppe, vertreten durch Ralf Gütting, Ev. Kreiskirchenamt Sauerland-Hellweg)

Weitere Informationen zum Projekt:

https://www.versoehnung.org/