Projekt

St. Laurentius | Kunstmuseum

Duisburg
Ort
47229 Duisburg, Martinistraße 7
Ursprüngliche Nutzung
Katholische Pfarrkirche
Neue Nutzung
Kunstmuseum St. Laurentius
Gebäude
1931 - 1932 erbaut nach Plänen der Reichsbahndirektion | 1942-1945 Starke Beschädigungen im Zuge von Bombardierungen | 1961 Wiederaufbau nach historischem Vorbild sowie Einbau neuer Glasfenster des Künstlers Bernhard Krampe | 2008 Profanierung | 2013 Gründung des Vereins "Freunde des Museums St. Laurentius e.V." | 2014 Eröffnung des Museums
Denkmalschutz
Das Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz

Ortslage | Städtebauliche Situation

Das Kunstmuseum St. Laurentius in der gleichnamigen ehemaligen katholischen Pfarrkirche befindet sich in der Eisenbahnsiedlung am südwestlichen Duisburger Stadtrand. Es handelt sich um eine eigenständige Siedlung, die zum linksrheinischen Ortsteil Rheinhausen-Friemersheim gehört. Entstanden ist die Eisenbahnsiedlung Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Ansiedlung eines Aufstellungsbahnhofes, der 1901 um einen Güterbahnhof erweitert wurde. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Güterzentrum für den linksrheinischen Niederrhein. Für das Personal wurde ab 1913 nach Beschluss der königlichen Eisenbahndirektion mit dem Bau der direkt angrenzenden Siedlung begonnen. In einem ersten Schritt entstanden Wohngebäude mit bis zu 400 Wohnungen sowie der prägnante Doppelwasserturm und weitere Betriebs- und Gemeinschaftsgebäude im Stil des damals vorherrschenden Historismus. Ab 1929 wurde östlich angrenzend die Siedlung größtenteils mit kleinteiliger Reihenhausbebauung in Blockform erweitert. Am Schnittpunkt der beiden Siedlungsteile ergab sich ein zentraler Platz, an dem 1931 mit der Errichtung der Kirche St. Laurentius begonnen wurde.

Die gesamte Siedlung steht heute unter Denkmalschutz, zudem gibt es zwei herausragende Einzeldenkmäler: der Doppelwasserturm von 1916, in dem sich heute Wohnungen und ein Atelier befinden, und die Kirche St. Laurentius. Richtung Norden und Westen grenzt das Siedlungsareal an ein Gewerbegebiet, in dem sich ein großer Containerumschlagplatz befindet, der aus dem ehemaligen Güterbahnhof hervorgegangen ist. Östlich und südlich begrenzen Freiflächen die Eisenbahnsiedlung, die südlichen Rheinauen sind Landschaftsschutzgebiet und ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Durch ihren zentralen Standort an der Grenze der beiden Siedlungsteile kommt St. Laurentius eine erhöhte städtebauliche Bedeutung für das Quartier zu. Die Kirche bildet den Abschluss am Kopfende der zentralen Breitenbachallee, die sich vom Kirchenvorplatz nach Westen erstreckt. Die großzügig angelegte Kastanienallee verfügt über einen begrüntem Mittelstreifen, der die Funktion einer öffentlichen Grünanlage übernimmt. In unmittelbarer Umgebung befinden sich ein Gemeindezentrum sowie eine Kindertagesstätte und ein Seniorenheim.

Gebäude | Bauform

Bei St. Laurentius handelt es sich um eine kleine Filialkirche der katholischen Gemeinde St. Joseph, die Hauptkirche im benachbarten Friemersheim hat. Der Entwurf stammt von der Reichsbahndirektion, die Bauarbeiten begannen 1931, und bereits ein Jahr später konnte das Gebäude geweiht werden.

Die Kirche ist als schlichte Saalkirche auf rechteckigem Grundriss mit Satteldach konzipiert mit östlich vorgelagertem Chor. Die Fassade besteht aus unverputztem Backstein, der auf einem umlaufenden Werksteinsockel aufsitzt. An der westlichen Giebelseite befinden sich das auskragende Eingangsportal mit Stufenanlage und doppelflügeliger Haupttür. Der Eingang wird durch ein großes Rundfenster in der Fassade betont. Zudem gliedern schulterartige Zierelemente, die bis zur Traufe reichen und durch horizontale Bänder abgestuft werden, die Ecken der Giebelfassaden. Im westlichen Bereich des Satteldaches befindet sich ein kleiner, in Kupfer eingekleideter Glockenturm über der Empore.

Im Inneren präsentiert sich das Sakralgebäude als stützenfreier Raum mit bemalter Flachdecke. Seitlich gliedern Mauerverstärkungen den Raum, die durch Bemalungen eine Backsteinmaterialität vorspiegeln. Im Westen befindet sich über dem Eingangsbereich eine kleine Empore, am östlichen Ende schließt der erhöhte Chor den Raum ab. Der Chor ist deutlich schmaler als das Kirchenschiff, der Durchgang wird durch ein zweifach gestütztes Gewände gebildet.

Im Zweiten Weltkrieg hat die Kirche starke Beschädigungen erlitten, die teilweise heute noch an der Fassade ablesbar sind. Vor allem die kunstvoll gestalteten länglichen Fenster des Innenraumes sind verlorengegangen. Sie wurden 1961 durch Fenster mit Glasmalereien des Künstlers Bernhard Krampe ersetzt.

Prozess | Beteiligte

Anlass für die Nutzung der Kirche St. Laurentius als Museum war der Nachlass des deutsch-ungarischen Künstlers Sándor Szombati. Dieser kam 1970 von Ungarn nach Duisburg, nach seinem Musikstudium an der Folkwang-Universität der Künste in Essen begann er seine künstlerische Laufbahn mit Klanginstallationen, später folgten Magnet- und Gravitationsobjekte. In seinem Atelier in Duisburg-Rheinhausen konnte auch nach seinem Tod im Jahr 2006 sein umfassendes Werk verbleiben und Interessierten gezeigt werden. Als der Mietvertrag jedoch nicht verlängert wurde, suchten seine Witwe und der ehemalige Freundeskreis eine neue Möglichkeit zur Bewahrung und Präsentation der Kunst Szombatis.

Die Kirche St. Laurentius stand zu diesem Zeitpunkt bereits seit einiger Zeit leer, sie wurde im Jahr 2008 profaniert. Nach ersten Gesprächen stimmte die Gemeinde einer Vermietung des Kirchengebäudes zu. In der Folge gründete sich 2013 der gemeinnützige Verein „Freunde des Museums St. Laurentius e. V.“, dessen Zweck die Erhaltung und Präsentation des Werkes von Sándor Szombati sowie die Erhaltung der Kirche St. Laurentius ist. 2014 wurde der Mietvertrag unterschrieben und der Verein, der nur durch ehrenamtliches Engagement getragen wird, konnte mit den nötigen Sanierungsarbeiten beginnen. Dazu hat eine enge Abstimmung mit der unteren Denkmalbehörde stattgefunden, die Umsetzung erfolgte größtenteils in Eigenleistung. Nach dem Umzug der Kunstwerke wurde das Museum St. Laurentius schließlich im Oktober 2014 eröffnet.

Nutzungskonzept | Nutzung

Seit der Eröffnung wird in der Kirche eine Dauerausstellung des Gesamtwerkes von Sándor Szombati gezeigt. Dafür wurden die Kirchenbänke ausgebaut, an deren Stelle befinden sich nun räumliche Installationen und Skulpturen. Neben der Dauerausstellung werden zudem wechselnde Ausstellungen von Künstlerinnen und Künstlern der verlorenen Generation kuratiert, die in der Regel ein halbes Jahr lang gezeigt werden. Bei der sogenannten verlorenen Generation handelt es sich um Künstler*innen aus dem osteuropäischen Raum, die im Höhepunkt ihres Schaffens von den Nationalsozialisten verfolgt wurden und die dadurch heute über keine große Bekanntheit in der Bevölkerung verfügen. Die Ausstellungen werden zudem regelmäßig um musikalische Darbietungen ergänzt.

Das Museum hat jeden ersten Sonntag im Monat geöffnet und ist an diesen Tagen frei zugänglich. Für größere Gruppen können zudem Sondertermine für Führungen abgestimmt werden.

Besonderheiten

Das Museum St. Laurentius ist ein beeindruckendes Beispiel für das Engagement eines lokalen gemeinnützigen Vereins, der den Zweck, das Werk des Künstlers Sándor Szombatis auszustellen, mit dem Zweck des Erhaltes der denkmalgeschützten Kirche St. Laurentius verbindet. Aus einer privaten Initiative und durch ehrenamtliches Engagement konnte so ein wichtiger, zentraler Ort der historischen Eisenbahnsiedlung revitalisiert und mit neuem kulturellem Leben erfüllt werden.

Quellen:

– Stadt Duisburg (2005): Denkmalbereich Hohenbudberg Eisenbahnsiedlung Duisburg – Friemersheim

– Untere Denkmalbehörde der Stadt Duisburg (1996): Kirche St. Laurentius, Martinistraße 3 (Eisenbahnsiedlung), Anlage zur Eintragung in die Denkmalliste

– Haustein, Sabine: Museum St. Laurentius, in: Wenn du gehst. Welche Politik für Künstlernachlässe in NRW?, Hrsg.: Landesbüro für Bildende Kunst NRW (o.J.)

 

Felix Hemmers

Weitere Informationen zum Projekt:

https://www.sandor-szombati.de