Projekt

Liebfrauenkirche | Kulturkirche „Stiftung Brennender Dornbusch“

Duisburg
Ort
47051 Duisburg, König-Heinrich-Platz 3
Ursprüngliche Nutzung
Pfarrkirche der Katholischen Liebfrauen-Kirchengemeinde Duisburg; Bistum Essen
Neue Nutzung
Kulturkirche, Träger: Stiftung Brennender Dornbusch
Gebäude
1956 Wettbewerb | 1958 Baubeginn | 4. Juni 1961 Weihe | 1971 Fertigstellung, Architekt: Dr. Toni Hermanns (1915–2007), Kleve; Fassadenrelief: Karl Heinz Türk (1928–2001) | 2009 Profanierung Oberkirche | 2011–2013 Umbau, Architekt: Hannes Hermanns, Kleve/Bonn
Denkmalschutz
Das Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz.

Ortslage | Städtebauliche Situation

Die Innenstadtgemeinde Liebfrauen konnte das neue Kirchengebäude als Ersatz für die zerstörte Ursprungskirche ein zentrales Grundstück an der städtebaulich zentralen und mit prominenten Nutzungen besetzten Ecke Friedrich-Albert-Lange-Platz/Landfermannstraße und König-Heinrich-Platz erwerben. Hier steht der durch seine hohe Eingangsfassade und das nur unwesentlich niedrigere, zweigeschossige Kirchenschiff die Umgebung prägende Bau zusammen mit Stadthaus, Theater, Landgericht und dem sogenannten „Citypalais“, dem Nachfolgebau der 2005 abgerissenen, denkmalgeschützten Mercatorhalle.
Die zum König-Heinrich-Platz orientierte hohe Eingangsfassade ist mit einem großflächigen abstrakten Ornament aus roten Granitplatten über einem Sandsteinrelief „Moses vor dem brennenden Dornbusch“. Über einem Sandsteinrelief von Karl Heinz Türk deutet die Verkleidung der hohen Stirnwand mit hellroten Granitplatten das lodernde Feuer an.

Gebäude | Bauform

Der zweigeschossige Stahlbetonbau erstreckt sich in Ostwestrichtung mit nach Westen leicht abfallendem Flachdach. Das Äußere des Bauwerks prägen klare kubische Bauformen. Im vom König-Heinrich-Platz aus erschlossenen Gebäude befinden sich im Erdgeschoss eine Eingangshalle mit Taufbrunnen, eine niedrige, von der stirnseitigen Beton-Dickglas-Wand farbig belichtete Alltagskirche und eine Marienkapelle, heute ein Gruppenraum. Die Glaskunstwände der Ostseite und weitere künstlerische Ausstattungen entstammen der Vatikankirche, die auf der Brüsseler Weltausstellung 1958 präsentiert wurde.
Von der Eingangshalle aus führt eine vierläufige, monumentale Treppenanlage ins Obergeschoss, wo sich der lichte Hauptkirchenraum, die Feierkirche, befindet, der in starkem Kontrast zu den unteren Räumen steht. Er besteht aus einem sehr hohen Mittelschiff, dessen Längswände vollständig durch transluzente, kristallin gefaltete Fenster aus glasfaserverstärktem Plexiglas gebildet werden. Unter diesen Fensterwänden liegt jeweils ein niedriges und an den Längsseiten geschlossenes Seitenschiff. An den östlichen Stirnseiten beider Seitenschiffe befinden sich Glaskunstfenster von Georg Meistermann aus der Brüsseler Weltausstellungskirche. Der nach Westen orientierte, fensterlose und raumhohe Altarbereich ist um fünf Stufen erhöht. Der wiederum um zwei Stufen erhöhte Altar wird von einem hohen, von schlanken Stahlsäulen gebildeten Baldachin überdacht und damit als das geistige Zentrum des Gebäudes besonders betont. Auch dieser Baldachin entstammt mit dem Altartisch und dem Altarkreuz der Weltausstellungskirche von 1958. Weitere künstlerische Ausstattungsstücke stammen aus der kriegszerstörten vormaligen Liebfrauenkirche. Dazu gehört das vermutlich älteste Stück Kirchenkunst in Duisburg, eine Pietà vom Ende des 14. Jahrhunderts.

Historische Bedeutung | Soziales Umfeld

Die Geschichte der Liebfrauengemeinde als ältester katholischer Kirchengemeinde Duisburgs reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Die historische Duisburger Liebfrauenkirche stand als katholische Stadtkirche ursprünglich in direkter Nähe der erhaltenen evangelischen Salvatorkirche am Burgplatz im Kern von Alt-Duisburg. Auf einen Wiederaufbau der 1942 weitgehend zerstörten Kirche an alter Stelle wurde verzichtet. Bauliche Überreste wurden in die neue Karmelkirche einbezogen.
Der Neubau an ebenfalls wichtiger Stelle der Innenstadt und seine prägnante Bauform bedeuteten für die Duisburger Innenstadtgemeinde zum einen Kontinuität mit der Aufnahme der historischen Ausstattungsteile, zum anderen wurde dieser Bau zu einem neuen Ort der Identität.

Kirchliche Nutzung | Einbindung in die Bürgergemeinde

Neben einer intensiven sakralen Nutzung war die Liebfrauenkirche bereits in den 1980/1990er Jahren ein Ort für Konzert- und Kulturveranstaltungen. Allerdings schrumpfte die Mitgliederzahl der Innenstadtgemeinden über Jahre deutlich, weshalb 2006 das gesamte ehemalige Dekanat Duisburg-Mitte wieder zu einer „Pfarrei Liebfrauen“ mit sechs Gemeinden zusammengefasst wurde. Dabei wurde auch die sakrale Nutzung einiger Kirchen aufgegeben. Die Liebfrauenkirche hatte bereits den Status einer „weiteren Kirche“, die nicht mehr mit Bistumsmitteln unterhalten wird.

Prozess | Beteiligte

Angesichts sinkender Mitgliederzahlen der Gemeinde sowie notwendiger Sparmaßnahmen des Bistums Essen drohten der Liebfrauenkirche bereits Anfang der 2000er Jahre die Schließung und eventuell sogar ein Abriss. Ein von der Fasel-Stiftung initiierter runder Tisch mit Kirchengemeinde, Bischöflichem Generalvikariats und weiteren Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft engagierte sich für den Erhalt der Liebfrauenkirche. Durch die Gründung der Stiftung Brennender Dornbusch konnte 2007 der Fortbestand der Liebfrauenkirche als geistig-kulturelles Zentrum gesichert werden.

Nutzungskonzept | Neunutzung

Die Stiftung Brennender Dornbusch ist seit 2008 neue Eigentümerin und sorgt seitdem für die Nutzung und den Unterhalt des Gebäudes als Kulturkirche und Ort des Dialogs unterschiedlicher Kulturen. Mit vorwiegend ehrenamtlicher Betreuung durch Stiftungsmitarbeitende finden hier Konzerte, Ausstellungen, Versammlungen und Performances statt – an zentralem Ort in der Stadt Duisburg in der besonderen Atmosphäre der Liebfrauenkirche.

Die weiterhin gewidmete Kapelle der Unterkirche wird immer noch sakral genutzt, beispielsweise bei Abendgebeten. Sie ist ist zu Tageszeiten öffentlich zugänglich und dient als Ort der Stille.

Besonderheiten | Erfahrungen

Die Liebfrauenkirche ist ein gutes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement. Aus dem Runden Tisch wurde 2006 die neu gegründete Stiftung Brennender Dornbusch. Sie erhielt Ende 2008 von dem Duisburger Unternehmer Wilhelm Fasel eine Zustiftung in Höhe von 1,75 Millionen Euro. Diese Kapitalausstattung und die Zuwendung von Immobilien durch die Pfarrgemeinde ermöglichten die Übereignung der denkmalgeschützten Liebfrauenkirche an die Stiftung Brennender Dornbusch.

So entstand eine persönliche und finanzielle Gravität, die weitere Unterstützungsleistungen für die Sanierung ermöglichte, unter anderem vom Land Nordrhein-Westfalen und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Im Bistum Essen ist es bei der Liebfrauenkirche so erstmalig gelungen, eine Kirche durch die Errichtung einer Stiftung zu sichern. Allerdings zeigte die Entwicklung am Kapitalmarkt sehr bald die Schwäche des kapitalgestützten Stiftungsmodells: Immer weiter zurückgehende Erträge machen die Arbeit der Stiftung zunehmend schwieriger.

JB

Weitere Informationen zum Projekt:

https://www.liebfrauen-kulturkirche.de/