Projekt

St. Albertus Magnus | Aufführungsstätte „TheaterTotal”

Bochum
Ort
44799 Bochum, Königsallee 171
Ursprüngliche Nutzung
Katholische Pfarrkirche der Gemeinde St. Franziskus; Bistum Essen
Neue Nutzung
Bühne des „TheaterTotal“ gemeinnützige GmbH
Gebäude
1960–64 erbaut, Architekt: Gottfried Böhm, Köln | 2008 außer Dienst gestellt | 2014 profaniert | 2014 Umbau zur Aufführungsstätte durch TheaterTotal gemeinnützige GmbH
Denkmalschutz
Das Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz.

Ortslage | Städtebauliche Situation

Im Stadtteil Wiemelhausen, direkt an der Königsallee gelegen, befindet sich die ehemalige St. Albertus-Magnus-Kirche mit Pfarrhaus und Kindergarten. Zu der von Gottfried Böhm gestalteten umfangreicheren Gesamtanlage gehörten ebenfalls ein Gemeindehaus und ein Turm, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Das Gebäudeensemble dieses Gemeindezentrums zeugt von der Finanzstärke kommunaler Gemeinden der Wiederaufbauzeit, als sich Einwohnerzahlen und Flächen ausweiteten und große Bevölkerungskreise kirchlich gebunden waren.

Gebäude | Bauform

Gegeneinander verschobene und gestaffelte Kuben bilden den asymmetrischen Bau der ehemaligen St. Albertus-Magnus-Kirche. Der dazugehörige Kindergarten wurde ihr südöstlich in einer aneinandergereihten Pavillonbauweise vorgelagert, das Pfarrhaus im Nordwesten als ein eingeschossiger Bau angeschlossen. Unter der roten Backsteinverkleidung, die als sauberer Binder-Läuferverband ausgeführt ist, befindet sich das Stahlbetonskelett der Kirche. Durch eine niedrige und lange Vorhalle, die mit quadratischen Feldern verglast ist, gelangt man rechter Hand in eine etwas höhere Taufkapelle und in den Innenraum der Kirche. Die Höhenstaffelung der Anlage richtet sich nach dem höchsten Bauteil, dem Chor. Auf der nordwestlichen und südöstlichen Seite befinden sich gegeneinander verschobene Kapellen. Die innere Gliederung des tragenden Rahmenwerks aus feinkörnigem Waschbeton, der im Kontrast zu dem roten Ziegelmauerwerk steht, teilt die Kirche in drei Schiffe. Das Kircheninnere wirkt durch seine Asymmetrie, die Betonung der Vertikalen und Höhenstaffelung sowie durch das konzipierte Licht- und Schattenspiel der drei versetzt angeordneten raumhohen Fensterwände skulptural. Auch die vom Architekten mitentworfenen, wandfesten Ausstattungsbestandteile unterstützen diesen Eindruck. Die äußere Gestalt verlor mit dem Austausch der ursprünglichen Flachdächer durch schwach geneigte Walmdächer mit umlaufender Metallverblendung im Jahr 1987 etwas von ihrer kubischen Anmutung.

Entwicklungsprozess | Nutzungskonzept | Neunutzung

Im Jahr 2008 wurde die St. Albertus-Magnus-Kirche außer Dienst gestellt. Grund dafür war die Umstrukturierung des Bistums Essen, die die Gemeinde zuvor mit der St. Johannes-Gemeinde vereint hatte, woraus sich die neue Großpfarrei St. Franziskus bildete. Einige Ausstattungsstücke der Kirche, wie die Reliquie des Heiligen Albertus Magnus, das Kreuz aus dem Altarraum oder die Monstranz, wurden in die St. Johannes-Kirche gebracht. Die Profanierung erfolgte im Jahr 2014, nachdem Ende 2012 der Nutzungsvertrag mit dem Bochumer Theater Total vereinbart worden war, das das ehemalige Kirchengebäude baulich den ordnungsbehördlichen Vorgaben anpasste, um es anschließend als Zimmertheater für Proben und Aufführungen zu nutzen. Zudem wurden ein Bühnenboden eingefügt und Plätze für 180 Besucher geschaffen, für die eine aus zweiter Hand stammende Bestuhlung aufgearbeitet und als Tribüne aufgebaut wurde. Die 200.000 Euro für die Brandschutz- und Sicherheitsauflagen trug das Theater.

EH

Weitere Informationen zum Projekt:

http://www.theatertotal.de/