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Die baulichen, sozialen und kulturellen Auswirkungen in den Kommunen

Kirchenschließungen und inadäquate Nachnutzungen können in den Kommunen bisweilen sehr negative baukulturelle Auswirkungen haben. Es droht der Verlust öffentlicher Räume und halböffentlicher Innenräume inklusive ihrer künstlerischen Ausstattung. Unsensible An- und Umbaumaßnahmen können zur Beeinträchtigung und sogar zum Verlust der architektonischen Qualität führen, und renditeorientierte Grundstücksausnutzungen können sogar Abriss und eine unangemessene Nachnutzung der ehemals bedeutsamen Gebäude und Grundstücke zur Folge haben. Das Beispiel der 2005 abgerissenen Kirche St. Raphael von Rudolf Schwarz in Berlin-Gatow, deren Grundstück durch einen Discountsupermarkt nachgenutzt wurde, hat hierfür ein deutliches Zeichen gesetzt.

Darüber hinaus ergeben sich gleichermaßen Auswirkungen auf das soziale und kulturelle Gefüge in den jeweiligen Quartieren um die Gebäude. Denn Kirchengebäude fungieren vielerorts nicht nur als Sakralräume, sondern mit ihren Nebenräumen (Gemeindesälen, Gruppen- und Jugendräumen, Gemeindebibliotheken, Kleiderkammern, Kindergärten etc.) auch als soziale und kulturelle Zentren. Sie ermöglichen sozial- und altersgruppenübergreifende integrative Formen des bürgerschaftlichen Engagements. Mit den kirchlichen Zentren gehen vor Ort oft auch Möglichkeiten für kulturelles Leben in den Quartieren verloren: Räume für Chöre und Musikgruppen,für Konzerte, Kleinkunst- und Theaterveranstaltungen verschwinden oftmals ersatzlos. Beim Ersatz weggefallener Angebote wird von kirchlicher Seite insbesondere versucht, Gottesdienste und kirchliche Amtshandlungen durch Gemeindezusammenschlüsse aufzufangen. Alle anderen sozialen und kulturellen Angebote können meistens nicht ersetzt werden, ihr Wegfall hinterlässt Löcher in der sozialen Ausstattung von Quartieren.

Somit sind neben architektonischen und städtebaulichen Veränderungen im Stadtbild ebenso soziale Aspekte der Stadtentwicklung von der Aufgabe der Kirchenstandorte betroffen. In jedem Einzelfall können Veränderungen der baulichen Nutzung Auswirkungen auf das Sozialleben des jeweiligen Umfelds haben. Die Zahlen der Städte Gelsenkirchen und Bochum zeigen dabei, dass die Auswirkungen nicht nur in einzelnen Quartieren, sondern durch hohe Fallzahlen mittelfristig im Gebiet ganzer Kommunen spürbar sein werden.

JB